Aus der Geschichte der Marktgemeinde Zwentendorf

Zwentendorf war vom 1. bis ins 5. Jahrhundert n.Chr. Standort des römischen Kastells, Piro Torto oder Asturis, über seinen tatsächlichen Namen sind sich die Historiker allerdings bis heute nicht einig geworden. Die erste urkundliche Nennung als "Zwentendorf" erfolgte 1147. Die Wallfahrtskirche Maria Ponsee entstand aus einer Kapelle des 12. Jahrhunderts. Um 1420 erfolgte der Ausbau mit einem dreijochigen Seitenschiff und Kreuzrippengewölben. 1716 bis 1726 wurde die Kirche nach Plänen von Jacob Prandtauer vergrößert und barockisiert. Die Gründung Zwentendorfs erfolgte wahrscheinlich zu Beginn dieses Jahrhunderts, ebenso der Pfarre. 1529 und 1683 richteten berittene türkische Streifscharen große Schäden und Verwüstungen an in der Gemeinde. 1917 wurde die Pulverfabrik "Skoda-Wetzler AG" erbaut. Während des 2. Weltkrieges wurden der Industriestandort zu einem Hydrierwerk und einer Ölraffinerie ausgebaut. Vor Kriegsende wurde die Raffinerie und das Tullnerfeld von mehr als 40.000 Bomben getroffen. Die Raffinerie wurde während der sowjetischen Besatzung wiederaufgebaut und blieb bis 1961 in Betrieb. 1983 wurde der Gemeinde Zwentendorf das Marktrecht verliehen und sie bekam auch ihr eigenes Wappen. Seit 1988 pflegt Zwentendorf eine Partnerschaft mit der tschechischen Stadt Breclav. Berühmtheit erlangte der Ort durch das einzige kommerzielle Kernkraftwerk Österreichs, das Kernkraftwerk Zwentendorf, das hier errichtet, aber dessen Inbetriebnahme durch eine Volksabstimmung am 5. November 1978 verhindert wurde.

Das Kastell Zwentendorf war ein ehemaliges römisches Kohortenkastell der Hilfstruppen (Auxilia) am norischen Limes. Es befindet sich auf dem heutigen Gemeindegebiet von Zwentendorf, Bezirk Tulln in Niederösterreich. Das nur in seinem südwestlichen Bereich erhaltene Kastellareal wurde im Zuge einer - mehrere Jahre andauernden - Ausgrabung am Ende der 50er/ Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts teilweise freigelegt und untersucht, danach aber wieder zugeschüttet. Gemeinsam mit diesem Römerkastell sind auch die beiden Wachtürme von Maria Ponsee und Pischelsdorf erwähnenswert.
Zum Abschluß der Ausgrabungs- und Forschungsarbeiten wurde im Gemeindehaus eine Ausstellung und Dokumentation des Römerlagers installiert. Mit vielen interessanten Exponaten aus der Römerzeit und einem großen Modell des Römerkastells. Das Museum bestand dann bis in die 70er Jahre, da dann aber das Interesse nachließ, und bedingt durch Umbauarbeiten, ein Großteil der Exponate ins Römermuseum Carnuntum ausgelagert wurden, oder bzw. als Leihgabe an div. Museen gingen, unter anderem auch an das Römermuseum in Tulln, war das daß Ende des Museums!

Erst im Jahre 2008 kam es auf betreiben von Herrn Richard Richter zur Neueröffnung des Museums. Mit den noch vorhandenen Exponaten der ehemaligen Sammlung, vielen privaten Leihgaben und Unterstützung der Gemeinde und Industrie gelang es in kurzer Zeit eine repräsantative Ausstellung zu gestalten.
Vom "Brachmann-Stüberl", Sammlung heimischer Pflanzen- und Insektenpräperate, Exponate und Bilddokumenten von Privatpersonen, aus Industrie und Wirtschaft, das die Entwicklung der Gemeinde dokumentiert, spannt sich jetzt der Bogen der Ausstellung. Im Jänner 2009 begannen die ersten fruchtbringenden Kontakte mit Carnuntum, die dann zum Jahresende zum Erfolg führten. Knapp vor Weihnachten konnte das Modell des Römerlagers "ASTURIS" und Artefakte der ehemaligen Ausgrabungen zurückgeholt werden. Diese Exponate sind nunmehr ein Highlight der Sammlung.
Auch die restlichen Sammlungen werden laufend erweitert: so z.B. die ansehnliche Mauerziegelsammlung die von Herrn Rudolf Reither aus Moosbierbaum zur Verfügung gestellt wurde. Oder sehr interessante heimische Pflanzenpräparate von Hrn. Prof. Dr. Bernhardt, Leiter der BOKU in Wien. Im gleichen Raum befindet sich auch der geschichtliche Überblick über die Entwicklung des Rundfunks in Österreich, vom Detektor bis zur modernen Unterhaltungselektronik. Und die umfangreiche Insektensammlung von Herrn Manfred Scharl, eine einzigartige Sammlung mit Präparaten von Schmetterlingen und Insekten des Tullnerfeldes.
Ein Schwerpunkt in der Entwicklung der Gemeinde ist auch die Industrie, die mit der Geschichte der Donau-Chemie dokumentiert wird, mit vielen anschaulichen Exponaten, Bildern und einem umfangreiches Kartenmaterial, das mit Unterstützung des Werksleiters der Donau-Chemie AG Hrn. Dr. Machat verwirklicht werden konnte.
Neben den Römern befinden sich im Erdgeschoß noch viele Schaustücke, die einen repräsentativen Einblick in die Vergangenheit der Gemeinde erlauben. Von Fundstücken aus dem Altertum (Mammutknochen), über das Mittelalter (Waffen und Dokumente) bis ins 20. Jahrhundert mit einer umfangreichen Münz- und Banknotenausstellung (Kriegszeit, Lebensmittelmarken, Notgeld) und auch Exponate über das pfarrliche Leben in vergangenen Tagen.


Bericht in der NÖN vom 10. Februar 2010


Bericht im BEZIRKSBLATT vom 9. März 2010

Im Museum Zwentendorf wird fleißig an einem neuen Schwerpunkt gewerkt!
"Es ist kein Bauernmuseum und auch kein Handwerksmuseum. Es ist auch kein typisches Dorfmuseum, sondern ein Sammelsurium - aber kein Nonsensmuseum", beschreibt Richard Richter, seines Zeichens Museumskustode, das, was er im ehemaligen Ärztehaus aufgebaut hat. Richard Richter hat für das Museum Zwentendorf große Pläne. Der Museumskustode will zu den bestehenden Schwerpunkten Römerzeit, Ortsgeschichte und Industrie einen Energieschwerpunkt umsetzen. Was er bislang nur in seinem Kopf herumgetragen hat, nimmt seit letzter Woche langsam Gestalt an. Richter klärt auf: "Wasserkraftwerk, ein nie in Betrieb gegangenes Atomkraftwerk, Kohlekraftwerk, eine Abfallverbrennung, wo Wärme erzeugt wird, wir hatten ein Umspannwerk - Zwentendorf ist Energiegemeinde."
Ein Museum als Sammelsurium.
Ein Jahr gibt er sich Zeit, den Schwerpunkt aufzubauen. Im nächsten Frühjahr, so hofft er, könnte die neue Abteilung starten. Das Museum hat aber noch mehr zu bieten als die genannten Schwerpunkte: Unter dem Dach des ehemaligen Ärztehauses, vis-à-vis der Kirche, tummeln sich auch allerlei Kuriositäten: Es gibt eine Schmetterlingssammlung inklusive Insekten-Tschernobyl-Opfer, eine Radioausstellung, einen 26.000 Jahre alten Mammut-Unterschenkelknochen und einen Brachmann-Raum (Anm.: ein Zwentendorfer Spross der Familie Brachmann war Bürgermeister und Nationalrat, sein Sohn wiederum ein Mundartdichter).
Richters Liebkind ist allerdings die Industrie-Abteilung, die das Ergebnis seiner jahrelangen Recherche über die kaiserliche Pulverfabrik und deren "Werdegang" zur Raffinerie bis hin zur Donauchemie ist.
Tipp: Interessierte führt Richard Richter auch persönlich durch die Museumsräumlichkeiten.

Zwentendorf vor 2.000 Jahren: das Römerkastell Asturis, seit Ende letzten Jahres ist das Modell als Leihgabe aus Carnuntum zurück im Museum. Auch der Zweite Weltkrieg und die Übernahme der Pulverfabrik durch die Nazis ist dokumentiert.

Wird laufend aktualisiert!


Weitere Informationen zum Römerkastell




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